Herzlichen Glückwunsch an Schweden, das erste rauchfreie Land Europas, das den Nikotinkonsum trotzdem nicht reduziert hat. Oben im Norden konsumiert man lediglich anders, anstatt Zigaretten zu rauchen, werden nikotinhaltige Tabakbeutel namens Snus unter die Oberlippe geschoben. In Deutschland und anderen Ländern ist Snus verboten, Alternativen sind aber bereits im Handel verfügbar.
Was ist Snus und warum ist er in Deutschland verboten?
Unter dem Begriff versteht man ein feuchtes, gemahlenes Tabakprodukt, das mit Wasser, Salz und Aromen versetzt wird. Der lose Tabak oder die vorportionierten kleinen Beutel werden zwischen Zahnfleisch und Oberlippe platziert, wo das Nikotin über die Mundschleimhaut in die Blutbahn gelangt. Ein Verbrennungsprozess findet dabei nicht statt, weshalb kein Rauch entsteht.
In Deutschland und in fast der gesamten Europäischen Union ist der Verkauf von echtem Tabak-Snus zum Lutschen oder Kauen seit dem Jahr 1992 untersagt. Die Europäische Union begründete dieses Verbot damals mit dem Ziel des Gesundheitsschutzes und der Suchtprävention, um das Entstehen neuer Abhängigkeiten zu verhindern. Schweden erstritt sich bei seinem EU-Beitritt im Jahr 1995 eine Ausnahmeregelung, weshalb das Produkt dort weiterhin legal im Laden erworben werden kann.
Was steckt hinter White Snus und warum wurde er entwickelt?
Weil der Verkauf von tabakhaltigem Snus in Ländern wie Deutschland untersagt ist, entwickelte die Industrie eine Alternative. Diese Produkte werden als White Snus, All White oder Nicotine Pouches bezeichnet. Sie enthalten keinen Tabak, sondern bestehen aus Pflanzenfasern, die mit Nikotinsalzen und verschiedenen Aromastoffen wie Minze, Beeren oder Menthol angereichert sind.
Die Entwicklung dieser Variante hatte zwei Gründe. Einerseits ermöglichte das Entfernen des Tabaks den legalen Verkauf in vielen europäischen Ländern, da diese Beutel rechtlich nicht unter das Tabakverbot fallen.
Andererseits bietet das weiße Pulver den Vorteil, dass beim Konsum kein brauner Saft entsteht. Die Zähne verfärben sich dadurch nicht und der Geschmack bleibt über die gesamte Anwendungsdauer sauberer, was vor allem bei jüngeren Konsumenten gut ankommt.
Wo sind die Unterschiede zwischen Snus und Zigaretten?
Der auffälligste Unterschied liegt in der Art der Anwendung und der Aufnahme des Nikotins. Beim Rauchen einer Zigarette wird Tabak verbrannt, wodurch Rauch entsteht, den du in die Lunge einatmest.
Bei diesem Prozess entstehen neben Nikotin zahlreiche Schadstoffe wie Teer, Kohlenmonoxid und krebserregende Verbrennungsprodukte, die die Atemwege direkt belasten.
Beim Snus entfällt die Verbrennung komplett. Das Nikotin wird langsamer und gleichmäßiger über die Schleimhaut aufgenommen, was zu einem anderen Verlauf des Flashs führt. Zudem ist der Konsum im Gegensatz zum Rauchen für die Umgebung unsichtbar und geruchlos.
Es gibt keinen Passivrauch, der Mitmenschen stört oder gefährdet. Dennoch ist Snus kein harmloses Produkt, da das enthaltene Nikotin süchtig macht und die Mundschleimhaut sowie das Herz-Kreislauf-System belasten kann.
Warum gilt Schweden als rauchfreies Land?
Die Weltgesundheitsorganisation definiert ein Land als rauchfrei, wenn die Raucherquote in der Bevölkerung unter fünf Prozent liegt. Schweden hat diesen Wert als erste europäische Nation erreicht. Das liegt aber nicht daran, dass die Schweden enthaltsam leben, sondern an der gezielten Verlagerung des Konsums.
Die schwedische Gesundheitspolitik hat rauchfreie Alternativen über Jahrzehnte hinweg steuerlich anders behandelt als Zigaretten. Da Snus gesellschaftlich voll akzeptiert ist, greifen viele Schweden gar nicht erst zur Zigarette oder nutzen die Beutel, um vom Rauchen loszukommen. Das führte dazu, dass die klassischen tabakbedingten Erkrankungen der Atemwege in Schweden seltener auftreten als im europäischen Durchschnitt, obwohl der gesamte Nikotinkonsum im Land auf einem ähnlichen Niveau liegt wie in Deutschland.

